Ausbildung: Perspektivenwechsel beim Instruktor-Kurs

Mehrere Personen in Rollstühlen vor einem gelben Gebäude mit weißen Fensterrahmen und einer Statue im Eingangsbereich
Gemeinsam im Rollstuhl eine Stiege bewältigen gehörte zu einer der Aufgaben im Instruktorkurs. © ÖBSV Baubinder

Die Welt mit anderen Augen sehen – oder eben auch nicht: Beim diesjährigen Instruktorkurs Behindertensport lernten die Teilnehmenden die Herausforderungen im Rollstuhl und ohne Sehkraft kennen.

Theorie- und Praxisteil in Schielleiten

Rollstuhl ist nicht gleich Rollstuhl, Prothese nicht gleich Prothese, Blindensport nicht gleich Sport mit Sehkraft / mit Sehenden: Der Instruktorkurs der BSPA Wien in Zusammenarbeit mit dem ÖBSV führt die Auszubildenden vertiefend in die Welt des Behindertensports ein – mit dem Ziel, dass alle Absolventinnen und Absolventen künftig Sportlerinnen und Sportler mit unterschiedlichsten Behinderungen anleiten können.

Derzeit befinden sich 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Ausbildung zur Instruktorin bzw. zum Instruktor im Behindertensport. Ein wichtiger Abschnitt fand vergangene Woche im BSFZ Schloss Schielleiten statt.

Dabei standen zahlreiche Theorieeinheiten auf dem Programm. Unter anderem vermittelte ÖBSV-Referent für M-Sport, René Schönberger, die Besonderheiten des Mentalbehindertensports. Die ÖBSV-Verbandsärztin Dr.in Michaela Mödlin gab der Gruppe zudem spannende Einblicke in die medizinischen Grundlagen der sechs Behinderungsgruppen.

Gruppe von Menschen im Rollstuhl vor einem gelben barocken Gebäude mit weißen Fenstern und Statuen an der Treppe
© ÖBSV Baubinder
Person im Rollstuhl mit rotem Oberteil mit Aufschrift 'AUSTRIA' zeigt einer Gruppe von Menschen in einer Sporthalle etwas
© ÖBSV Baubinder

Kennenlernen unterschiedlicher Rollstühle und Prothesen

Um später erfolgreich anleiten zu können, ist es entscheidend, das Gegenüber zu verstehen. Und damit auch die Herausforderungen, mit denen Sportlerinnen und Sportler konfrontiert sind. Aus diesem Grund nahmen sich ÖBSV-Sportdirektorin Andrea Scherney und Sepp Loisinger, seit Jahrzehnten erfahrener Rollstuhlsportler, der Gruppe an und führten sie praxisnah an die Materie heran.

Loisinger erklärte zunächst die Technik und den Aufbau verschiedenster Rollstühle – vom Alltagsgerät bis hin zum hochspezialisierten Sportgerät. Anschließend präsentierte Andrea Scherney ihre unterschiedlichen Prothesen: Welche nutzt sie zum Laufen, zum Weitsprung oder zum Kugelstoßen?

Zwei unterschiedliche Parcours

Danach war es an der Zeit, dass die Auszubildenden selbst in den Rollstühlen Platz nahmen. Ein abwechslungsreicher, zugleich jedoch äußerst anspruchsvoller Parcours brachte die ungeübten Teilnehmerinnen und Teilnehmer trotz sichtbarer Sportlichkeit rasch an ihre Grenzen. Für das erfolgreiche Absolvieren waren nicht nur Kraft und Ausdauer gefragt, sondern auch Geschick und Feingefühl.

Die Manöver reichten von Bergauf- und Bergabfahren über Slalomstrecken bis hin zu einem „Mattenberg“ oder rückwärts zu bewältigenden Hindernissen. Nicht nur einmal landete jemand aufgrund einer zu starken Kippbewegung schildkrötenartig auf dem Rücken.

Im Freien übte die Gruppe zudem das gemeinsame Überwinden von Stufen und anderen Hindernissen des Alltags, mit denen Rollstuhlnutzerinnen und -nutzer täglich umgehen.

Drei Männer, zwei im Rollstuhl, einer steht, in einer Sporthalle mit einer Rampe aus Holz und Teppich
© ÖBSV Baubinder
Frau und Mann halten sich an den Händen, während die Frau auf einem Balancierbalken in einer Turnhalle geht
© ÖBSV Baubinder

Vertrauen und präzise Anweisungen

Sichtlich erschöpft ging es anschließend in die Pause, bevor im Turnsaal bereits der nächste Hindernisparcours wartete. Nach einer kurzen Erholung bestand die Aufgabe darin, sich mithilfe von Sichtschutzbrillen in die Welt von Sportlerinnen und Sportlern mit Sehbehinderung hineinzuversetzen und diese anschließend selbst mit klaren Anweisungen sicher durch den Parcours zu führen.

Dieser hatte es in sich: Schritt für Schritt und Griff für Griff tasteten sich die Teilnehmenden über kippende Langbänke, kletterten durch Sprossenwände oder sprangen von einem Kasten ins Ungewisse. Die Übung verlangte nicht nur Geschick, sondern auch großes Vertrauen in die jeweilige Begleitperson.

Erleichtert, aber voller neuer Eindrücke absolvierten alle den Praxisteil mit Bravour.

Person mit Prothesenbein in Sportkleidung steht in einer Sporthalle umgeben von mehreren Personen, die zuschauen
© ÖBSV Baubinder
Eine Dame fährt rückwärts mit einem Rollstuhl zwischen Stangen hindurch
© ÖBSV Baubinder
Eine Frau fährt mit dem Rollstuhl Stiegen hinunter. Zwei Männer unterstützen sie dabei
© ÖBSV Baubinder
Ein Mann mit Sichtschutzbrille steigt über ein großes Objekt in einer Sporthalle. Eine Dame gibt ihm Anweisungen.
© ÖBSV Baubinder

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